Tod ist Tabu

Der Tod ist immer noch ein Tabuthema. Bei Mensch und Tier. Dabei gehört der Tod nun mal dazu. Keiner ist unsterblich, und trotzdem verdrängen wir dieses Thema.

Es ging ihm oft sehr schlecht. Sie hat das auch gemerkt. Er hat immer gekämpft und immer gewonnen. Irgendwann kam die Diagnose. Die Laborwerte waren eindeutig. Ich hätte eine Entscheidung fällen müssen. Damit war ich überfordert.

Für mich stand fest, dass kein Hund leiden muss. Menschen müssen das. Sterbehilfe ist heute noch eine Straftat.

Und plötzlich konnte ich es nicht.
Vielleicht passiert wieder ein Wunder.
Es steht mir nicht zu, über Leben und Tod zu entscheiden.
Er war so ruhig, sein Blick hilflos und flehend. Am nächsten Tag bin ich mit ihm zum Tierarzt und hab ihn erlösen lassen.

Für mich war das eine Katastrophe. Mein Tierarzt hat mich getröstet. Es war die richtige Entscheidung. Und es war auch richtig, dass ich ihn in diesem Augenblick in meinen Armen gehalten habe. Er ist nicht allein gegangen. Ich war bei ihm. Irgendwie alles richtig gemacht. Hätte ich nur einen Tag früher machen sollen.

Aber es war viel schwerer als gedacht. Ich hätte nicht gedacht, dass man in so kurzer Zeit mit den vielen Problemen eine so intensive Beziehung aufbauen kann.

Irgendwann wird auch sie tot umfallen. Von einem Tag zum anderen ist aus dem Flummi ein alter Hund geworden, dessen Tage gezählt sind. Die nächste Beerdigung steht an. Ich hatte es so satt. Für mich stand fest – nie wieder ein alter Hund. Ohne Hund geht nicht. Das nächste wird ein Welpe.
Mit dem Wirbelwind kam Leben in die Bude. Durch die kleine Maus ist sie noch mal richtig aufgeblüht. Ich hätte es nicht für möglich gehalten.
Aber es kam natürlich der Tag, an dem es heißt Abschied zu nehmen.

Das ist schon ein Geschenk. Sie hat all ihre Geschwister überlebt und ich hatte 3 Jahre Zeit, um mich auf diesen Tag vorzubereiten. Diesmal habe ich nicht lange überlegt. Da muss ich jetzt durch.

Ich hab es wie immer gemacht. Mein Welpe sollte auch Abschied nehmen. Sie hat es nicht verkraftet. Irgendwie hat sie mir die Schuld gegeben. Sie war völlig verstört. Nach 3 Monaten habe ich es nicht mehr ausgehalten. Der nächste Wirbelwind aus der gleichen Zucht kam zu mir. Dann war die Welt wieder in Ordnung.

Die beiden sind nun 4 und 6 Jahre alt und von Beerdigungen will ich erst mal nichts mehr wissen.

Es wird nicht leichter.

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