Traminer

Als eine Bekannte vor mir vor neun oder zehn Jahren eine Todesanzeige für ihr Pferd in unserer Lokalzeitung schaltete, hielt ich das, bei aller Liebe, für übertrieben. Damals hatte ich noch keine eigenen Pferde.

Als dieses Jahr mein Englischer Vollblüter gehen musste, habe ich ihm bei Facebook einen Abschiedsbrief geschrieben. Man kann auch sagen, ich habe mich selber dabei erwischt, ihn geschrieben und auf meiner FB-Seite veröffentlicht zu haben:

Farewell mein Schöner,

was warst du für eine riesige Herausforderung für mich! Viele Geduldsproben, die ich auch nicht immer bestanden habe. Aber wie viel Jubel, Staunen, Strahlen, Schweben ist daraus geworden.

Als du Streicheleinheiten zu genießen lerntest – Tja, Traminski, doof, wenn man nicht zugeben kann, dass es doch schön ist.
Als ich dich zwei Tage nach deiner Schädel-OP über das Klinikgelände führte.
Als du auf mich zukamst, obwohl ich den Sattel über dem Arm hatte.
Als ich im Gleichschritt neben dir her galoppierend, völlig aus der Puste, die Siegesfaust nach oben reckte – und du mit angedeutetem Steigen antwortetest.

Als du Hella und mich ohne Longe begleitet hast.
Als ich zuhause auf den Spiegel zuritt und dachte „Wahnsinn! Er ist tatsächlich hier und ich sitze tatsächlich im Sattel.“
Als ich eine Ahnung vom Unterschied zwischen Anziehung und Anlehnung bekam… Dass Glückshormone so sehr tanzen können! Sogar seitwärts!

Ein letzter Tusch für mein großes, schönes Pferd!

Mein Traminer, dich jetzt loslassen zu müssen ist Watte im Kopf und Blei in den Beinen. Du hast ganz tiefe Hufspuren in meinem Leben hinterlassen.

Es war mir ein Fest, dich bei mir gehabt zu haben.

Ich danke dir!

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