Eines Tages sieht man sich

Ruhe nun, mein treuer Freund – eines Tages sieht man sich.
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Ich erfuhr wenige Zeit vorher von dem Tumor. Laut der Klinik bestand keine Chance. Doch kampflos wollten wir nicht aufgeben. Ich erfuhr von unterschiedlichen Behandlungsmethoden und machte einen Termin in einer anderen Klinik. Ich schickte die Röntgenbilder vorab und man sagte mir am Telefon, dass alles gut werden würde.
Mit diesem Gefühl – alles wird gut – fuhren wir zum Termin. Als man mir vor Ort sagte, dass es nicht so leicht werden würde und nach der Untersuchung feststand, dass der Tumor in der kurzen Zeit zu sehr gewachsen ist, zog es mir den Boden unter den Füßen weg.
Ich wollte ihn nicht gehen lassen.
Auf gar keinen Fall!
Doch wusste ich, dass ich nicht egoistisch sein durfte. Ihn weiter leiden zu lassen, weil ich ihn nicht verlieren wollte, kam für mich nicht in Frage.
Diese Gedanken hatte ich mir zum Glück schon gemacht, als die Diagnose kam.
Diese Gedanken und diesen Entschluss habe ich mit „klarem Kopf“ gefasst – denn in diesem Moment konnte ich nicht klar denken.
Es war unglaublich hart, der Tierärztin meine Entscheidung mitzuteilen. Es auszusprechen. Aber so schwer es war, ich ließ ihn gehen.
Er hat nie gern gekuschelt, doch als es Zeit wurde, mich zu verabschieden, hörte er gar nicht damit auf. Also ob auch er sich verabschieden und bedanken wollte.
Ich trauerte einige Tage und kam nicht besonders gut damit klar. Auch wenn es nun schon 4 Jahre her ist, tut es noch immer weh.
Nach 2 Jahren spielte ich mit dem Gedanken, nochmal jemanden in die Familie zu holen und fand einen Freund fürs Leben. Er lässt mich meinen Alten nicht vergessen, aber er macht es einfacher.
Ich stelle mir vor, hoffe und wünsche es mir, dass er nun über grüne Weiden galoppiert. Es einfach genießt wild und frei zu sein, völlig unbeschwert und ohne Schmerzen.

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